Warum Dunkle Bienen?

Die ursprünglich in Deutschland heimische Dunkle Biene steht vor dem Aussterben. Durch Importe von Fremdrassen wurde sie immer mehr verdrängt.
In Deutschland gibt es derzeit keine einzige funktionierende Belegstelle der Dunklen Biene. Nötig wären, um den Bestand zu erhalten, aber mindestens für jeden Ökotyp der Dunklen Biene eine Belegstelle, also mindestens vier.

Selbst wenn man selber keine Dunkle Biene hält, sollte der Schutz des Genpools dieser Mellifera-Unterart jedem Imker am Herzen liegen.
Ein Nebeneinander von verschiedenen Bienenrassen ist möglich. Der Grundbestand einer Unterart muß jedoch gesichert werden. Dringend notwendig wäre zudem die Ausweisung eines ausreichend großen Schutzgebietes für die Dunkle Biene in Deutschland. Die alte einheimische Dunkle Biene wird aus ökologischen und Artenschutzgründen von mir gehalten und gepflegt. Ihr Erhalt ist auch meine eigentliche Motivation als Imker. Ich selber halte Bienen des braunen (belgischen) Ökotyps.
Zwei wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten: Die Dunkle Biene fliegt andere und mehr einheimische Blütenarten an als Buckfast- und Carnicabienen. (Vergl. hierzu Kirsten Köppler, Ressourcennutzung und Sammelverhalten der verschiedenen Unterarten der Honigbiene apis mellifera L., Dissertation, Weimar 2002; Bernard Delforge und Hubert Guerriat: Pollen spectra of Buckfast and dark bees honeys in an urban environment, in mellifica 4/2012, No 101, S. 10 ff.)
Die Belegstelle der Braunen Biene in Chimay Ihr Verhalten ist dem Klima und der Landschaft seit Jahrtausenden angepasst. Dies bedeutet auch, dass sie kein größeres Brutnest, als es unbedingt nötig ist, anlegt. Aus eigener Anschauung

Bild H.-J.Werner: Die Belegstelle der Dunklen Biene des braunen Ökotyps in Chimay

kann ich bestätigen, dass sie im Vergleich zu anderen Bienenrassen, dank ihrer Widerstandskraft bei niedrigeren Temperaturen und z.T. sogar bei Regen eher ausfliegt. Ihr Schwarmtrieb ist gering. Das Brutnest ist nicht außerordentlich groß. Ich kann mit meinen Dunklen gut imkern. Von den Vorzügen der Dunklen Biene wußte man auch schon in früherer Zeit zu berichten. Der bekannte "Bienenbaron" August Freiherr von Berlepsch (1815-1877) schätzte z.B. die Vorzüge "seiner" Dunkle Biene.

Um ihre Arterhaltung voran zu bringen, bin ich Mitglied der Gemeinschaft zum Erhalt der Dunklen Biene e.V., die sich als erste und derzeit einzige Imkervereinigung für die Reinerhaltung der Ökotypen einsetzt und sich gegen die Zucht z.B. einer leistungsstarken Dunklen Mischbiene ausspricht. Diese Tradition der Zucht einer einheitlichen Dunklen Mischbiene wurde lange Zeit durch die Reichsfachgruppe Imker vertreten indem man "die Zucht nach Farbe, anderen Körpereigenschaften und Leistungskennzeichen" durchführte. Die Zucht während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch ideologisch begründet, so sprach man im Bereich der Nigra auch von "Siegfriedrohnen" oder Anhänger der Carnica betonten demgegenüber, dass Deutsche nur die "Biene aus dem Land unseres Führers" halten. Grundlage war die Kreyenbühlsche "deutsche Nigra", eine schon zu Beginn der Zuchtmaßnahmen dunkle Mischbiene, die in Erlangen bis in die 50er Jahre gezüchtet wurde. Die Reichsfachgruppe Imker legte den Radius für "Reinzuchtbelegstellen" auf "8 bzw. 6 Km" fest. Heute wissen wir, dass diese Distanz für eine Reinzucht nicht ausreicht und das Risiko von Fremdanpaarungen dabei bestehen bleibt. Die letzten Züchter haben um 1960 wegen der Hybridisierung der Deutschen Nigra das Handtuch geworfen. Wenn ältere Imker über ihre teilweise negativen Erfahrungen mit "der" dunklen Biene berichten, sollte man also nicht vergessen, dass es sich dabei in der Regel um Erfahrungen mit Mischbienen verschiedener Ökotypen und manchmal sogar Rassen handelt.

Bekannt ist, dass es bei der Vermischung von Dunklen Ökotypen stechfreudige Bienen geben kann, so z.B. bei Vermischung der Heidebiene, der alpenländischen Dunklen sowie der Silvarum.
Die Verneinung von Ökotypen verharmlost diese Problematik. Die Kenntnis der Ökotypen ist u.a. auch daher wichtig. Lassen Sie sich daher nie dunklen Königinnen verkaufen, ohne den Ökotyp und die Herkunft zu kennen. Selbst, wenn Ihnen jemand eine Heidebienenkönnigin verkaufen will, seien Sie sich bewußt, dass es auch in diesem Fall unterschiedliche Abarten dieses Ökotyps gibt. Zuchtleiste
Zuchtlatte mit Weiselzellen bei der Königinnenzucht 05/2012, Bild: Hubert Reppenhorst

So ist die Dunkle Biene in Irland von der es noch starke Bestände gibt, ein Ableger des bretonischen Typs, während Dunkle Bestände in Großbritannien teilweise auf bretonischen dunkle Bienen und Heidebienen zurückgeführt werden können.
Eine Reliktpopulation von eines speziellen Heidetyps, der sich von der deutschen Heidebiene unterscheidet, ist auch auf der Dänischen Insel Læsø zu finden, aber stark durch Buckfastimker bedroht. Von dort wurden Königinnen nach Grönland gebracht und man findet dort jetzt ebenfalls diesen Ökotyp. Die dunkle Biene in Norwegischen Flekkefjord stammt von original Heidebienenvölkern aus Deutschland ab, bilden also keinen eigenen extra Ökotypus.
Umlarvtag in Virelles Die Dunklen Bienen in Schweden gehören teilweise zum Sonder-Heidetypus aus Læsø, teilweise sind es auch Importe über Norwegen der deutschen Heidebiene und zudem gibt es

Bild H.-J. Werner: 2. Umlarvtag im Juni 2013 in Virelles. Dank vieler Helfer war es möglich, sicher junge Maden der Dunklen Biene zu bekommen.

einen eigenständigen schwedischen Heidebienentypus. Heidebienen aus Schweden wurden wiederum nach Finnland importiert, die dort eigentlich nicht hingehören, denn dort war ursprünglich das Gebiet der Silvarum. In unserem Nachbarland Frankreich gibt es allein im Zentralmassiv fünf dunkle Ökotypen. Daneben kann man dort die provenzalische und die bretonische Dunkle Biene finden. Es gibt keine Ökotypen "Südwesteuropa, Nordeuropa, Osteuropa, Westeuropa", vielmehr müssen dort lebende vorhandene Dunkle Bienen den jeweiligen spezifischen Ökotypen wie z.b. Heidebiene, Alpenländische, Bretonische, Braune u.a. zugeordnet werden.
Der Begriff des "Ökotyps" wurde von Frau Dr. Kohlich auf der Sicamm 1997 in See nach dem Streit um die Verwendung des deutschen Begriffs "Unterrasse" von Prof. Dr. phil. nat. Steffan in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Er betont zu Recht die großen Unterschiede der einzelnen regionalen Ausprägungen der Dunklen Biene.
Wenn im Zusammenhang von Dunkler Biene von "Zuchtlinien" gesprochen wird, muß man wissen, dass dieser Begriff normalerweise nicht den Unterschied im Ökotypus beschreibt, sondern sich auf einen ausgewählten Bestand eines Ökotypus oder einer Rasse bezieht. Bei der Carnica wäre dies z.b. Sklenar oder Troisek. Um Ökotypen zu unterscheiden ist dieser Begriff nicht geeignet. Zu fragen ist also, ob jemand, der diesen Begriff nutzt, tatsächlich von Linienzucht im Rahmen von dunklen Ökotypen spricht oder ob er mit dem Begriff der "Linien" die vorhandenen Unterschiede in dem Bereich der dunklen Ökotypen relativiert.

In der GEDB spricht man sich auch klar gegen die Zucht dunkler Ökotypen aus, die ursprünglich nicht in Deutschland oder in der jeweiligen Region heimisch waren. Aus Mangel an regionsspezifisch heimischen Dunklen Königinnen importieren z.B. manche Imker und Initiativen Dunkle Königinnen, die nicht regionalspezifisch sind und schwächen so den dortigen Bestand. Hinzu kommt noch, dass die auf dem Markt angeboten Dunklen Königinnen manchmal von Drohnen anderer Ökotypen oder Unterarten begattet worden sind oder über die Begattung keinerlei nachprüfbare Informationen vorliegen. Von der Annahme solcher Angeboten sollte man daher aus Artenschutzgründen absehen. Dunkle Biene ist eben nicht gleich Dunkle Biene. Ein unüberlegter Aktivismus kann auf diesem Gebiet auch Schaden anrichten. Dem Arterhalt von Ökotypen dient ein solches Vorgehen m.E. jedoch nicht.

Nicht sinnvoll ist es auch, einmal eine reinrassige Dunkle Königin besitzen zu wollen, die zwar dem regionalen Ökotyp entspricht, bei dem man sich aber keine Gedanken über den Fortbestand der Zucht macht.
Spätestens nach drei Umweiselungen ist dann von der Dunklen Königin nichts mehr zu erkennen und der geringe Bestand an Königinnen wurde somit weiter geschwächt. Imkerliche Anfänger sollten zudem zunächst erst einmal mit den Bienen vor Ort arbeiten, da man/frau in der Bienenhaltung in der Regel zu Beginn viele Fehler macht. Logo der GEDB
In Deutschland gab/gibt es unterschiedliche Ökotypen der Dunklen Biene, die sich sehr unterscheiden, so z.B. die Alpenländische Dunkle, die Pommernbiene, Die (belgische) Braune und die Heidebiene.
Der für NRW angepasste Ökotyp wäre der der (belgischen) Braunen oder der original Heidebiene. Kampinowskabienen, dunkle Mischbienen, dunkle Bienen aus Portugal, irisch-bretonische oder andere reinrassige oder gemischte Ökotypen gehören demgegenüber nicht in die Region NRW. (Vergl. hierzu die Übersicht über die Verbreitung der Ökotypen in Deutschland)
Die Zucht des braunen Ökotyps versuche ich durch die Benutzung einer ausländischen Belegstelle sowie die Technik der Mondscheinbegattung sicher zu stellen.

Wenn Sie also Dunkle Bienen halten wollen, dann machen Sie sich klar, dass Sie mit dem einmaligen Kauf einer Königin dem Arterhalt nicht dienen. Die Dunkle Biene braucht Menschen, die bereit sind, sich mit einer langfristigen Perspektive an der Zuchtarbeit zu beteiligen. Zum Abschluß zwei Zitate von Rudolf Steiner zum Thema heimische Biene und Bienenzucht. Er meinte:

"...daß aber in hundert Jahren die ganze Bienenzucht aufhören würde, wenn man nur künstlich gezüchtete Bienen verwenden würde."
(Rudolf Steiner, in: Über das Wesen der Bienen, Dornach 1995, S.131)
"daß man nicht ganz Fremdartiges an die Bienen heranbringen darf, denn die Bienen sind ihrer ganzen Natur nach an eine gewisse Gegend gebunden, also an eine gewisse Gegend gewöhnt. Das geht schon daraus hervor, da die Bienen aus anderen Gegenden ganz anders aussehen. Es gibt diese mitteleuropäische Biene (gemeint ist die Dunkle), die auch hier schon erwähnt wurde, die Gemeine Hausbiene. Die Italienische Biene sieht ganz anders aus, die Krainer Biene (gemeint ist die Carnica) wieder ganz anders. Die Bienen sind sehr stark an die Gebiete gewöhnt, und man kann gar nicht auf die Dauer helfen, wenn man ihnen Honigseim überliefert aus ganz fremden Gebieten. Da haben sie sehr viel zu tun mit ihrem eigenen Körper, da fängt es an zu rumoren, denn sie wollen ihn umwandeln, daß er so werde, wie es dort ist, wo der Klee herkommt.(...) man muß sich darüber klar sein, daß etwas seiner ganzen Natur nach an eine bestimmte Lokalität eingewöhnt ist. Das muß berücksichtigt werden. Sonst kann man zwar augenblickliche Erfolge erzielen, aber nicht etwas Dauerndes. "
(Rudolf Steiner, in: Über das Wesen der Bienen, Dornach 1995, S.200)
Leserbrief: Vergesst die Dunkle nicht!
Leserbrief: Zu welche Biene paßt zu mir?
Leserbrief: Einspruch!